«unser leben ist das produkt unserer gedanken.»

«är macht nüt»

liebe hundehalter*innen. wenn mir euer freilaufender Hund bellend und knurrend entgegenrennt, ist euer zuruf, er mache nichts, wenig hilfreich. ich weiss: ihr seid davon überzeugt, dass euer zähnefletschender wolfsrüde in jeder lebenslage mit den charaktereigenschaften eines neugeborenen lamms gesegnet sei. aber ich habe nun einmal angst vor ihm. wenn ihr mir dann noch den ratschlag gebt, ich dürfe halt meine angst nicht zeigen, kann ich schon mal die contenance verlieren. ich werde diesen grundsatz gerne beherzigen, sollte ich in der antarktis einem ausgewachsenen eisbären begegnen. auf dem wanderweg an der aare sehe ich dafür eigentlich keine notwendigkeit. bitte haltet euch doch einfach an die signalisation «leinenzwang». ich steige dafür im fahrverbot immer vom velo ab – versprochen.

«es schöns tägli»

ich bekomme nur noch selten einen schönen tag gewünscht. «es schöns tägli» muss reichen. und ich frage mich: was ist passiert? wurde der tag von einer behörde zurückgestuft, wie einst pluto? hat er inflationsbedingt an wert verloren? ist er auf einer reise durch ein wurmloch im raum-zeit-kontinuum geschrumpft? oder denken wir, es werde so schneller feierabend? ich jedenfalls wünsche mir den richtigen, guten, alten schönen tag zurück – notfalls auch im nominativ.

deutsch – fussball | fussball – deutsch

ein sportkommentator muss keinen nobelpreis für lyrik gewinnen. ich finde es trotzdem spannend, wie sich gerade im fussball ein eigenes sprachuniversum auftut. zitat sascha rufer: «die basler kommen vermehrt über die aussen.» sie kommen was? und wenn ein spieler lieber über die innen, die oben oder die unten kommen möchte? wer um himmels willen setzt solche formulierungen in die welt? vermutlich der gleiche sprachbanause, der uns darüber informiert, dass die spieler des fc thun «hoch stehen». mir war nicht bewusst, dass der moderne fussball auf stelzen gespielt wird.

sehr geehrter herr zwahlen

ich habe eine rechnung erhalten: «guten tag herr zwahlen, wir bitten sie…». leider ist sie mir unters eis geraten. schon bald kam die mahnung: «sehr geehrter herr zwahlen…». seltsam – jetzt wo’s ernst wird, werde ich plötzlich geehrt, und zwar sehr. das ist wohl kaum die absicht des absenders. was zeigt, dass wir im schriftverkehr floskeln und althergebrachte formulierungen gedankenlos verwenden. oder hast du mündlich schon einmal jemanden sehr geehrt? ich jedenfalls nicht.

«hie isch füfzg!»

ich habe selbst kein auto und bin viel mit dem velo unterwegs. und ich gebe unumwunden zu: manchmal fluche ich autofahrende laut an. meist, weil viele unter ihnen davon ausgehen, strassen seien hauptsächlich für sie geschaffen worden. wenn ich mit dem stromvelo durch oberdiessbach fahre, bin ich mit 45 km/h unterwegs. für die enge strasse durchs dorf ist das eigentlich schon zuviel. trotzdem drängeln 90% der autos von hinten und wollen überholen. «hie isch schliesslech füfzg!». keine ahnung, wo dieser reflex herkommt: «ich auto, da velo, ich überholen». liebe 4-rad-freunde. wenn ihr am strassenrand eine runde weisse tafel mit breitem rotem rand und der zahl 50 seht: das ist eine maximal– keine mindestgeschwindigkeit. ihr werdet nicht auf der stelle verhaftet, wenn ihr euer fahrtempo den gegebenheiten anpasst und 5 km/h unter dem zulässigen bleibt. und wenn ihr mir zusätzlich freude machen wollt: parkiert bitte nicht mehr auf dem trottoir, schaltet vor ampeln und schranken den motor aus – und lasst euer handy in der tasche. zugegeben: es gibt auch zahlreiche ignorante velofahrende. aber ich gehöre nicht dazu – ganz ehrlich.

«nid mau zum aaschtosse?»

standard im leben eines menschen, der – wie ich – keinen alkohol trinkt: «danke, für mich keinen wein.». antwort – in leicht verächtlichem ton: «nicht einmal zum anstossen?». nein! wenn ich mich für ein leben ohne alkohol entschieden habe, will ich sicher nicht mit wein anstossen, nur um einer gesellschaftlichen konvention zu genügen. zum glück bin ich keine frau – sonst würde man mich ja ganz sicher fragen, ob «etwas unterwegs» sei. sprich: alkohol ist das einzige suchtmittel, bei dem du dich dafür rechtfertigen musst, dass du es nicht nimmst. also, liebe gastgeber – ob privat oder beruflich. es gibt nur eine richtige reaktion: «was kann ich dir sonst gutes anbieten?». oder noch besser: «cool, ich habe da eine wunderbare alkoholfreie variante.». willkommen im 21. jahrhundert.

fanlager im wettkampf: wer ist besser – taylor swift oder miley cyrus?

so schade, dass wir uns entscheiden sollen. kann ich nicht einfach beide cool finden? musik sollte meines erachtens nie kompetitiv sein: im gegensatz zu politik, wirtschaft oder sport hat sie nämlich etwas zutiefst verbindendes. wenn schon gefühlt die halbe welt irgendwie im zwist liegt, kann musik grenzen überwinden, religionen vereinen und menschen zusammenführen. musik braucht keine sieger oder verlierer. sie verdeutlich geradezu, wie gut wir es auf dem planeten haben könnten, wenn wir nur wollten. machen wir es also zumindest in der musik besser: verzichten wir doch auf battles in «the voice» oder länderwettkämpfe im «esc». miley und taylor machen uns vor, wies gehen könnte.

m-budget und prix garantie

unter diesen labels verkaufen uns migros und coop produkte zum «absoluten tiefstpreis». aus liebe zum kunden? wohl kaum. die tiefstpreise entstehen, indem die beiden grossverteiler ihre produzenten / lieferanten auspressen wie eine zitrone – oft auch betriebe in der schweiz. vom genossenschaftlichen gedanken sind migros und coop mittlerweile etwa gleich weit entfernt wie eine kuh vom fliegen. beispiel bananen: für prix garantie zahle ich da 41% des preises für fairtrade. ich mag mir nicht vorstellen, zu welchen bedingungen die menschen in ecuador dafür arbeiten müssen. deshalb boykottiere ich m-budget und prix garantie. ich setze lieber auf fairtraide, swiss made, bio, ip & co.

so ungerecht.

2021 bekam ich einen stent in ein herzkranzgefäss gepflanzt. ich durfte mich einen tag lang im inselspital aufhalten und erleben, was für eine grossartige medizinische versorgung wir in der schweiz haben. dafür bin ich dankbar – und trotzdem stösst mir etwas sauer auf: der spitzenmediziner, der mit hilfe von technischen wunderwerken herzkatheter im akkord einsetzt, wird – vorsichtig angenommen – im jahr 300’000 franken verdienen. die diplomierte pflegefachfrau, die sich den ganzen tag um mich kümmerte, mir die infusion setzte, meinen lebenswichtigen druckverband überwachte, mein erbrochenes aufputzte und mir die leistengegend rasierte, steht bei einem jahreslohn von vielleicht 70’000 franken. und wenn gespart werden soll, ist ja wohl auch klar, welche dieser beiden personen das zu spüren bekommt. diese ungerechtigkeit macht mich wütend. worüber haben wir vor gar nicht so langer zeit abgestimmt?

so sozial: raucher*innen unterstützen die AHV.

hast du auch schon einen mitmenschen auf sein rauchverhalten angesprochen – und zur antwort erhalten, sie*er finanziere mit dem rauchen immerhin die AHV? mit diesem scheinbar unschlagbaren einwand lenken raucher*innen oft von ihrer abhängigkeit ab. dumm nur: dieses argument hinkt – und zwar gewaltig. die einnahmen der AHV betragen jährlich ingesamt rund 210 milliarden franken. davon stammen rund 2 milliarden aus der tabaksteuer – oder anders dargestellt: 1%. wenn ich also monatlich eine rente von 2’000 franken erhalte, haben raucher*innen davon 20 franken finanziert – vielen dank auch. nur entstehen im exakt gleichen zeitraum in der schweiz durch das rauchen volkswirtschaftliche schäden von rund 6 milliarden franken. hauptsächlich sind dies ausgaben von AHV, IV und krankenversicherern. dazu kommen monetäre und emotionale nebeneffekte, zum beispiel, wenn unternehmen rauchbedingte ausfälle kompensieren müssen. also liebe raucher*innen: wenn eure kognitiven fähigkeiten durch das rauchen noch nicht allzu stark geschädigt sind – rechnet doch einmal kurz nach, bevor ihr euer lieblingsargument zitiert.